
Am 13. März 2025 besuchte die AG Soziales, Gesundheit und Sport die Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) von KommRum e.V. in Friedenau. Die AG wurde herzlich von der Geschäftsführung, Michael Webers, sowie seinem Team empfangen und erhielt wertvolle Einblicke in die vielfältigen Unterstützungsangebote der KBS.
KommRum e.V.: Ein erfahrener Träger mit vielseitigen Angeboten
Herr Webers stellte zu Beginn den Träger KommRum e.V. vor, der seit 1980 Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen unterstützt. Der Verein betreibt Kontakt- und Beratungsstellen in Friedenau und Friedrichshain, die für alle Interessierten offenstehen. Die KBS bieten während der Café-Öffnungszeiten eine Anlaufstelle für Gespräche und Austausch sowie strukturierte Gruppen- und Beratungsangebote.
Darüber hinaus engagiert sich KommRum e.V. in mehreren weiteren Bereichen:
• Betreutes Wohnen: Unterstützung für Menschen mit psychischen Erkrankungen in eigenen Wohnungen, Wohngemeinschaften oder speziell angemieteten Unterkünften.
• Obdach Plus: Ein Angebot für wohnungslose Frauen und Männer mit besonderen Bedarfen in Schöneberg.
• Beschäftigungsprojekte: Möglichkeiten für Zuverdienst und betreute Arbeit.
• Hilfen für Geflüchtete: Aufsuchende Beratung in Unterkünften des Bezirks sowie SprachCafés in den Kontakt- und Beratungsstellen.
Die Kontakt- und Beratungsstelle: Ein niedrigschwelliges Hilfsangebot
Herr Webers erläuterte, dass die KBS niedrigschwellig gestaltet sei. Menschen mit und ohne psychische Erkrankungen sowie Nachbar*innen könnten die Räumlichkeiten nutzen, ohne Anmeldung oder Verpflichtungen. Der Cafébereich spiele dabei eine zentrale Rolle – er sei nicht nur ein sozialer Treffpunkt, sondern biete auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Unterstützungsbedarf.
Zusätzlich zur offenen Begegnung werden vielfältige Beratungsangebote bereitgestellt. Täglich nutzen 30 bis 50 Personen die Angebote der KBS. Die Bandbreite reicht von allgemeinen Gesprächen über psychosoziale Beratung bis hin zur Unterstützung bei Alltagsproblemen.
Finanzielle Herausforderungen
Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den Besucher*innen der KBS fand ein intensives Gespräch über die aktuellen Herausforderungen der Finanzierung statt. Besorgt äußerte sich Herr Webers und seine Mitarbeitenden über die drohenden Kürzungen, die nur durch eine Senkung der Standards und eine Reduzierung der Angebote und Öffnungszeiten aufgefangen werden könnten. Dies würde jedoch gerade die Niedrigschwelligkeit des Angebots untergraben, die für viele Menschen essenziell ist.
Ein altes und großes Problem sei auch die befristete Zuwendungsfinanzierung, die nur für ein Jahr bewilligt wird. Diese kurzfristige Finanzierung macht es extrem schwierig, Personalstellen langfristig zu sichern und Angebote nachhaltig zu planen, berichtet Herr Webers. Der Verein setzt sich seit Jahren dafür ein, dass hier eine verlässlichere und mehrjährige Finanzierung etabliert wird – bislang jedoch ohne Erfolg. Aktuell drohen auch Kürzungen, was die Situation weiter verschärft.
Im Gespräch mit Herrn Webers hoben auch Mitglieder unserer AG hervor, dass die Sparpolitik des Senats in diesem Bereich besonders unverständlich ist. Die KBS erfüllt eine wichtige präventive Funktion und erreicht Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankungen die Barrieren zum hochschwelligen ambulanten Hilfesystem nicht überwinden kann. Die KBS spielt eine entscheidende Rolle für Personen in psychischen oder sozialen Krisen, die durch reguläre Beratungs- oder Therapiemodelle oft nicht aufgefangen werden. Eine Kürzung der Mittel würde nicht nur den Zugang erschweren, sondern langfristig zu höheren Kosten im Gesundheits- und Sozialsystem führen. Die Mitarbeitenden der KBS und die Mitglieder der AG waren sich einig, dass diese Kurzsichtigkeit der Politik des Senats nicht hinnehmbar ist. Eine kostendeckende und nachhaltige Finanzierung ist daher nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch geboten.
Demoaufruf am 8. April 2025
Um auf die drohenden Kürzungen aufmerksam zu machen, rufen alle Kontakt- und Beratungsstellen (KBS) sowie ihre Besucher*innen zu einer Kundgebung auf. Diese findet am 8. April um 14.00 – 16.00 Uhr in der Oranienstr. 106, 10969 Berlin statt.
Auch die AG Soziales, Gesundheit und Sport wird an der Demonstration teilnehmen, um die Forderung nach einer verlässlichen und langfristigen Finanzierung zu unterstützen.
Die AG Soziales, Gesundheit und Sport bedankt sich bei Herrn Webers und seinem gesamten Team für den offenen Austausch, die interessanten Einblicke in ihre Arbeit und ihr wertvolles Engagement für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Wir werden uns weiterhin für eine stabile und nachhaltige Finanzierung dieser wichtigen Arbeit einsetzen.