Was wird aus dem Wenckebach-Klinikum in Tempelhof?

Meine Ziele für Wenckebach

1. Wohnortnahe Versorgung sichern

Psychiatrische Institutsambulanz und tagesklinische psychiatrische Angebote sollen für Tempelhof wohnortnah erhalten bleiben. Auch Hospizversorgung gehört für mich zu diesem Gesundheitsstandort.

2. Ambulante Versorgung und Pflege ausbauen

Was stationär wegfällt, muss durch eine gute ambulante Versorgung ergänzt werden. Dazu gehören für mich mehr Gesundheitsangebote und insbesondere ein Ausbau der Kurzzeitpflege.

3. Leerstand verhindern

Frei werdende Gebäude sollen möglichst früh für sinnvolle gesundheitliche, pflegerische und soziale Angebote genutzt werden.

4. Gesundheitsversorgung und Bildung zusammendenken

Wenckebach bietet die Chance für einen Gesundheits- und Bildungscampus, an dem Versorgung, Pflege und Fachkräfteausbildung miteinander verbunden werden.

Die allgemeine Rettungsstelle ist weg, verschiedene Fachbereiche wurden bereits an das Auguste-Viktoria-Klinikum verlagert. Gleichzeitig gibt es am Wenckebach-Klinikum weiterhin wichtige Angebote – insbesondere in der Psychiatrie und Altersmedizin.

Und die entscheidende Frage für Tempelhof lautet: Was passiert mit dem Standort in den kommenden Jahren?

Für mich ist klar: Wenckebach darf nicht einfach Stück für Stück verschwinden. Wir brauchen einen Plan, der die Gesundheitsversorgung im Kiez sichert und die vorhandenen Gebäude sinnvoll nutzt.

Was gibt es heute noch am Wenckebach-Klinikum?

Das Wenckebach-Klinikum ist nicht geschlossen.

Vivantes führt am Standort weiterhin die Fachbereiche Psychiatrie und Altersmedizin. Zur psychiatrischen Versorgung gehören aktuell mehrere stationäre Stationen, tagesklinische Angebote und die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA).  

Auch für psychiatrische Notfälle gibt es weiterhin eine Anlaufstelle: Die Zentrale Psychiatrische Aufnahme (ZPA) ist rund um die Uhr geöffnet. Sie besteht seit September 2022 am Wenckebach-Standort und folgte dort auf die frühere allgemeine Rettungsstelle.  

Das ist ein wichtiger Unterschied: Die allgemeine Rettungsstelle gibt es am Wenckebach-Klinikum nicht mehr – eine psychiatrische Notfallversorgung aber sehr wohl.

Zum Standort gehören außerdem weiterhin das Vivantes Hospiz sowie eine Kurzzeitpflege mit 25 Plätzen.  

Wann ziehen Psychiatrie und Altersmedizin um?

Fest steht: Die stationäre Krankenhausversorgung soll langfristig vom Wenckebach-Klinikum an das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg verlagert werden.

Der früher häufig genannte Zeithorizont 2028 ist inzwischen überholt.

Vivantes schreibt aktuell, dass in weiteren Bauabschnitten am Auguste-Viktoria-Klinikum bis 2032 Platz geschaffen werden soll, um die Stationen des Wenckebach-Klinikums schrittweise dorthin zu verlagern.  

Das bedeutet aber nicht, dass 2032 der Wenckebach-Standort einfach verschwindet.

Im Gegenteil.

Wenckebach soll Gesundheitsstandort bleiben

Vivantes selbst verfolgt für das Gelände eine neue Perspektive: Der Standort in Tempelhof soll zu einem „innovativen Gesundheitscampus mit ambulanter Medizin“ weiterentwickelt werden.  

Das ist grundsätzlich der richtige Weg.

Denn wenn stationäre Krankenhausangebote wegfallen, müssen wir gleichzeitig dafür sorgen, dass Menschen weiterhin wohnortnah medizinische, psychiatrische, pflegerische und soziale Versorgung bekommen.

Deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht, nur darüber zu sprechen, welche Station als Nächstes umzieht.

Wir müssen darüber sprechen, was an ihre Stelle kommt.

Psychiatrische Versorgung in Tempelhof sichern

Gerade bei psychischen Erkrankungen ist eine wohnortnahe Versorgung wichtig.

Die Psychiatrische Institutsambulanz am Wenckebach-Klinikum behandelt Menschen aus Tempelhof-Schöneberg mit schweren, chronischen oder komplexen psychischen Erkrankungen. Vivantes beschreibt sie ausdrücklich als Teil der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung.  

Auch die tagesklinischen Angebote ermöglichen Behandlung, ohne dass Patient*innen dauerhaft stationär aufgenommen werden müssen.

Für mich ist deshalb klar: Die ambulanten und tagesklinischen psychiatrischen Angebote müssen wohnortnah in Tempelhof gesichert werden.

Nicht irgendwann, sondern als Bestandteil der weiteren Planung für Wenckebach.

Mehr ambulante Gesundheitsversorgung statt Versorgungslücken

Wenn Krankenhausstationen verlagert werden, darf daraus keine Versorgungslücke entstehen.

Der Gesundheitscampus bietet die Chance, am Wenckebach-Standort neue ambulante Angebote aufzubauen und bestehende Angebote auszubauen.

Auch der Bezirk nennt in seiner Bereichsentwicklungsplanung für Tempelhof-Mariendorf Nord mögliche Bausteine: beispielsweise ein Ärztehaus, ambulante Versorgung, ein ambulantes OP-Zentrum, Tageskliniken sowie Angebote für Prävention und seelische Gesundheit. Gleichzeitig hält der Bezirk fest, dass die Planungen noch weiter konkretisiert und abgesichert werden müssen.  

Genau deshalb müssen wir jetzt über die konkrete Umsetzung sprechen.

Kurzzeitpflege am Wenckebach-Standort ausbauen

Ein Bereich, den ich dabei besonders wichtig finde, ist die Kurzzeitpflege.

Schon heute betreibt die Vivantes Hauptstadtpflege auf dem Wenckebach-Gelände eine Kurzzeitpflege mit 25 Plätzen.  

Kurzzeitpflege kann beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt notwendig werden oder pflegende Angehörige vorübergehend entlasten.

Und gerade hier haben wir viel zu wenig Plätze.

Warum also nicht die vorhandenen Möglichkeiten am Wenckebach-Standort nutzen und die Kurzzeitpflege weiter ausbauen?

Für mich wäre das eine sehr konkrete Verbesserung für ältere Menschen, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in Tempelhof.

Aus Wenckebach einen Gesundheits- und Bildungscampus machen

Ich möchte aber noch einen Schritt weitergehen.

Mein Ziel ist ein Gesundheits- und Bildungscampus für Tempelhof.

Ein Ort, an dem wir Gesundheitsversorgung, Pflege und die Ausbildung der Fachkräfte von morgen miteinander verbinden.

Diese Idee kommt nicht aus dem luftleeren Raum.

Schon im Berliner Abgeordnetenhaus wird seit mehreren Jahren darüber diskutiert, die Entwicklung des Gesundheitscampus mit der Ausbildung von Gesundheitsfachkräften zu verbinden. 2023 und 2024 war ein Ausbildungs- beziehungsweise Bildungscampus Wenckebach ausdrücklich Thema im Gesundheitsausschuss.  

Auch die aktuelle Bereichsentwicklungsplanung des Bezirks beschreibt für den Standort Möglichkeiten wie Skills-Labs, Simulationstrainings und Angebote für verschiedene Gesundheitsberufe.  

Das ist eine Chance, die wir nutzen sollten.

Denn wir haben zwei große Herausforderungen gleichzeitig:

Wir brauchen eine gute Gesundheitsversorgung vor Ort. Und wir brauchen dringend mehr Menschen, die in Gesundheit und Pflege arbeiten.

Warum sollten wir beides nicht an einem Standort zusammendenken?

Leerstand verhindern: Gebäude jetzt sinnvoll nutzen

Die vollständige Entwicklung eines Gesundheitscampus wird nicht innerhalb weniger Monate passieren.

Gerade deshalb dürfen Gebäude, die vorher frei werden, nicht jahrelang ungenutzt bleiben.

Wir brauchen sinnvolle Zwischennutzungen.

Gesundheitliche, pflegerische, soziale und gemeinnützige Träger sollten frühzeitig prüfen können, welche Räume sich bereits jetzt nutzen lassen.

Denn ein Gelände mitten in Tempelhof leerstehen zu lassen, während gleichzeitig soziale und gesundheitliche Angebote Räume suchen, wäre eine vertane Chance.

Nicht über Tempelhof hinweg planen

Und noch etwas ist mir wichtig:

Die Zukunft von Wenckebach darf nicht nur von oben geplant werden.

Wer hier arbeitet, Patient*innen versorgt, Angehörige unterstützt oder soziale und gesundheitliche Angebote im Bezirk organisiert, kennt die tatsächlichen Bedarfe.

Diese Expertise gehört an den Tisch.

Die Weiterentwicklung des Standorts muss deshalb gemeinsam mit Vivantes, Bezirk und Land, den Beschäftigten sowie gesundheitlichen, pflegerischen und sozialen Akteur*innen vor Ort erfolgen.

Das Ziel darf nicht irgendein Campus-Konzept sein.

Das Ziel muss sein, dass die Menschen in Tempelhof am Ende besser versorgt werden.

Wenckebach hat eine Zukunft. Gestalten wir sie.

Für mich geht es bei Wenckebach nicht darum, einem alten Krankenhaus hinterherzutrauern.

Es geht darum, aus dem Wandel etwas Besseres für Tempelhof zu machen.

Wir können hier wohnortnahe Versorgung erhalten, ambulante Angebote ausbauen, pflegende Angehörige entlasten, Räume sinnvoll nutzen und gleichzeitig einen Ort schaffen, an dem die Gesundheits- und Pflegefachkräfte von morgen ausgebildet werden.

Wenckebach hat dieses Potenzial. Jetzt müssen wir es nutzen.