Politische Teilhabe von Frauen ist keine Selbstverständlichkeit. Sie wurde erkämpft – und sie muss immer wieder neu verteidigt und ermöglicht werden.
Ich habe mich sehr gefreut, bei der Eröffnung der Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ im Bundespresseamtsprechen zu dürfen – als Helene-Weber-Preisträgerin und Mitglied des Helene-Weber-Netzwerks.
Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel haben dafür gekämpft, dass „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz verankert wurde.
Ihr Vermächtnis ist für mich ein Auftrag für heute: Strukturen so zu verändern, dass Frauen nicht nur formal gleichberechtigt sind, sondern tatsächlich mitentscheiden und politische Verantwortung übernehmen können.
Ich weiß aus meinem eigenen politischen Weg, dass dafür Ermutigung allein nicht reicht.
2015 wurde ich mit dem Helene-Weber-Preis ausgezeichnet. Kurz darauf bekam ich mein Kind. Gleichzeitig war ich selbstständig und freiberuflich tätig. Für politische Abendtermine musste ich Kinderbetreuung organisieren und oft auch bezahlen. Die Zeit für Politik bedeutete für mich als Selbstständige häufig zusätzlich einen Honorarausfall.
Zeit, Geld, Betreuung – das sind praktische Fragen. Aber sie entscheiden mit darüber, wer sich politisches Engagement überhaupt leisten kann.
Und es gibt noch eine andere Seite: Frauen werden in der Politik bis heute anders bewertet und behandelt.
Ich erinnere mich an meine Zeit als Bezirksverordnete. Ich wollte zu meinem Antrag für eine familienfreundliche Kommunalpolitik sprechen und bestand darauf, dass er auf der Tagesordnung bleibt. Von zwei männlichen Kollegen durfte ich mir anhören: „Du willst dich ja nur durchsetzen.“
Ich war damals die einzige Bezirksverordnete mit einem Kind im Babyalter. Bis heute sind junge Eltern in der Bezirksverordnetenversammlung kaum vertreten.
Was bei Männern als Beharrlichkeit oder Durchsetzungsstärke gilt, wird bei Frauen noch immer viel zu oft als schwierig, unbequem oder zu ehrgeizig bewertet.
Deshalb reicht es nicht, Frauen zu sagen: Engagiert euch! Wir müssen auch die Strukturen und die politische Kultur verändern, in denen dieses Engagement stattfindet.
Wie wichtig Netzwerke und praktische Unterstützung sind, habe ich selbst erfahren. Das Helene-Weber-Netzwerkbegleitet mich seit 2015 – durch Austausch, Coaching, Unterstützung und manchmal auch durch einen Rat zur richtigen Zeit.

Danke an Frau Uleer und Frau Amon Amonsen für die Einladung und dafür, dieser wichtigen Ausstellung im Bundespresseamt einen sichtbaren Ort zu geben. Besonders danke ich Kathrin Mahler Walther von der EAF Berlin und dem Helene-Weber-Netzwerk für die langjährige Begleitung und Ermutigung.
Mehr Frauen in der Politik sind keine Frage der Symbolik. Es geht darum, wer mitentscheidet, wessen Erfahrungen gehört werden und wie repräsentativ unsere Demokratie tatsächlich ist.