Letzte Woche habe ich zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz besucht – eine in Tempelhof, eine in Steglitz.
Was dort sehr deutlich wurde: Diese Wohnform ermöglicht Nähe, Vertrautheit und Orientierung. Kleine Gruppen, eigene Zimmer, gemeinschaftliche Räume, feste Rituale. Pflege ist hier beziehungsorientiert. Für viele Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bedeutet das spürbar mehr Lebensqualität.
Gleichzeitig zeigen sich strukturelle Spannungen.
Viele Menschen entscheiden sich bewusst für ambulant betreute Wohngemeinschaften – und stoßen dann auf Rahmenbedingungen, die diese Wohnform erschweren.
Ein zentrales Beispiel ist die Finanzierung:
In stationären Pflegeeinrichtungen sinkt der Eigenanteil mit zunehmender Aufenthaltsdauer – für ambulant betreute Wohngemeinschaften gibt es keinen Schutz vor dauerhaft hohen Eigenanteilen.
Hinzu kommt der Mangel an geeignetem Wohnraum. Pflege-WGs entstehen nicht nebenbei. Sie brauchen passende Grundrisse, bezahlbaren Wohnraum und Planungssicherheit. Stadtentwicklung muss diese Wohnformen von Anfang an mitdenken – in Neubau, Umnutzung und Quartiersentwicklung.
In den Gesprächen mit Angehörigen und Pflegebedürftigen wurde deshalb auch der Wunsch nach mehr genossenschaftlich organisierten Lösungen deutlich. Gemeinwohlorientierte Modelle können helfen, Wohnraum zu sichern und Pflege-WGs dauerhaft im Kiez zu verankern.
Mein Eindruck nach dem Besuch:
Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind kein Sonderfall. Sie zeigen sehr konkret, wie bedarfsgerechte Pflege aussehen kann.
Vielen Dank für den offenen Einblick, die Organisation des Termins und den fachlich sehr wertvollen Austausch an Sylvia Knapp und die Sozialstation Friedenau der Nachbarschaftsheim Pflegerische Dienste gGmbH.
Mehr Eindrücke und Bilder: https://www.instagram.com/aferditasuka1/