Pflegereform 2026: Pflege darf Menschen nicht arm machen

Wie können Menschen Pflege organisieren, ohne finanziell oder emotional daran kaputtzugehen?

Diese Frage muss für mich im Mittelpunkt jeder Pflegereform stehen.

Das Video habe ich erstmals am 7. Juni 2026 auf Instagram veröffentlicht. Anlass war der damalige Referentenentwurf zur Pflegereform. Viele der darin diskutierten Vorschläge haben mir große Sorgen gemacht – vor allem, weil Pflege zu oft aus Sicht der Finanzierung betrachtet wird und zu wenig aus Sicht der Menschen, die sie jeden Tag organisieren müssen.

Pflege ist für viele Familien schon heute ein Kraftakt

Wer einen Elternteil, den eigenen Partner oder ein anderes Familienmitglied pflegt, weiß: Pflege beginnt nicht erst im Pflegeheim.

Sie bedeutet Termine organisieren, Anträge stellen, Unterstützung suchen, Beruf und Pflege miteinander vereinbaren und oft auch finanziell zurückstecken.

Viele Menschen nehmen Hilfen gar nicht erst in Anspruch, obwohl sie sie dringend brauchen. Nicht, weil sie keine Unterstützung wollen, sondern weil Eigenanteile abschrecken oder schlicht nicht bezahlbar sind.

Dann reicht es nicht, Menschen darüber zu beraten, welche Leistungen theoretisch existieren.

Entscheidend ist, ob sie diese Unterstützung in ihrem Alltag tatsächlich nutzen können.

Pflegende Angehörige brauchen mehr Sicherheit – nicht weniger

Besonders kritisch sehe ich deshalb Einschnitte bei der sozialen Absicherung pflegender Angehöriger.

Diese Menschen leisten bereits heute einen großen Teil der Pflege in Deutschland. Viele reduzieren dafür ihre Arbeitszeit, verzichten auf Einkommen oder nehmen berufliche Nachteile in Kauf.

Wer Pflegepolitik ernst nimmt, darf diese Belastung nicht noch vergrößern.

Pflegende Angehörige brauchen Entlastung, eine verlässliche soziale Absicherung und Angebote, die im Alltag tatsächlich erreichbar und bezahlbar sind.

Gute Pflege braucht auch gute Arbeitsbedingungen

Gleichzeitig dürfen wir die Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen nicht vergessen.

In einem Bereich, in dem Fachkräfte dringend gebraucht werden, wäre es aus meiner Sicht der falsche Weg, gute Tarif- und Arbeitsbedingungen zu schwächen.

Wer mehr Menschen für Pflegeberufe gewinnen und erfahrene Beschäftigte halten möchte, muss diese Berufe attraktiver machen – nicht unsicherer.

Pflegepolitik darf nicht nur bis zur nächsten Haushaltsrechnung denken

Natürlich müssen wir darüber sprechen, wie Pflege langfristig finanziert werden kann.

Aber die entscheidende politische Frage darf nicht nur lauten:

Wie kürzen wir Leistungen, damit morgen die Zahlen stimmen?

Sie muss lauten:

Wie können Menschen Pflege organisieren, ohne finanziell oder emotional daran kaputtzugehen?

Wie bekommen Familien Hilfe, bevor sie zusammenbrechen?

Wie verhindern wir, dass Pflege Menschen arm macht?

Und wie sorgen wir dafür, dass niemand aus Angst vor zusätzlichen Kosten auf dringend benötigte Unterstützung verzichtet?

Pflege betrifft auch uns in Tempelhof

Diese Fragen sind keine abstrakte Gesundheitspolitik.

Auch hier in Tempelhof kümmern sich Menschen jeden Tag um ihre Eltern, Partner:innen oder andere Angehörige. Viele versuchen gleichzeitig zu arbeiten, Kinder zu versorgen und ihren eigenen Alltag zu bewältigen.

Deshalb gehört eine verlässliche und bezahlbare Pflege für mich ganz konkret zu einem bezahlbaren und gesunden Leben im Kiez.

Ich arbeite an der Charité in der Versorgungsforschung und beschäftige mich seit vielen Jahren politisch mit Gesundheit und Pflege. Auch in meiner Zeit im Berliner Abgeordnetenhaus habe ich daran gearbeitet, Pflege und Gesundheitsberufe konkret zu verbessern.

Für mich gilt:

Menschen müssen Unterstützung bekommen, bevor sie zusammenbrechen.Pflege darf Menschen nicht arm machen.Und notwendige Hilfe darf nicht daran scheitern, dass sie sich jemand nicht leisten kann.

Pflege betrifft uns alle: als Eltern, Kinder und Enkelkinder, als Partner:innen und irgendwann möglicherweise selbst.

Ich bin Aferdita Suka, Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für Tempelhof-Schöneberg 4 bei der Berlin-Wahl 2026.

Bezahlbares Leben. Gesunde Zukunft.

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