Pflege in Tempelhof: Hilfe muss da sein, wenn Menschen sie brauchen

Was passiert, wenn plötzlich Pflege organisiert werden muss – für die eigenen Eltern, den Partner, die Partnerin oder nach einem Krankenhausaufenthalt?

Darüber habe ich mich mit den Mitarbeitenden des Pflegestützpunkts Tempelhof in der Ottokarstraße ausgetauscht.

Das Gespräch hat deutlich gemacht: Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen stoßen immer wieder an ganz praktische Grenzen. Kurzzeitpflegeplätze fehlen, Eigenanteile sind für manche Familien zu hoch und nach Krankenhausaufenthalten entstehen Versorgungslücken.

Für mich ist deshalb klar:

Gute Pflege muss bezahlbar, wohnortnah und verlässlich sein.

Wenn plötzlich Pflege organisiert werden muss

Pflege beginnt für viele Familien sehr unvermittelt.

Ein Elternteil wird krank. Der Partner oder die Partnerin kommt aus dem Krankenhaus. Eine Demenzerkrankung schreitet fort. Plötzlich müssen Angehörige innerhalb kurzer Zeit herausfinden:

Welche Unterstützung gibt es?
Wer berät mich?
Wo gibt es einen passenden Pflegeplatz?
Und kann ich mir diese Hilfe überhaupt leisten?

Genau hier leisten Pflegestützpunkte wichtige Arbeit. Sie beraten Pflegebedürftige sowie ihre An- und Zugehörigen und helfen dabei, passende Unterstützungsangebote zu finden.

Doch Beratung allein reicht nicht, wenn notwendige Angebote fehlen oder für Familien nicht bezahlbar sind.

Kurzzeitpflege in Tempelhof: Plätze fehlen – besonders bei komplexem Pflegebedarf

Ein Thema wurde in unserem Gespräch besonders deutlich: die Kurzzeitpflege.

Manche Menschen können sich einen Kurzzeitpflegeplatz nur für ein oder zwei Wochen leisten, obwohl die Unterstützung eigentlich länger gebraucht würde.

Noch schwieriger kann die Situation für Menschen mit Demenz oder komplexen Erkrankungen sein. Gerade diejenigen, die besonders viel Unterstützung benötigen, haben es mitunter schwer, überhaupt einen geeigneten Kurzzeitpflegeplatz zu finden.

Das müssen wir ändern.

Kurzzeitpflege darf kein Angebot sein, das auf dem Papier existiert, für Betroffene aber praktisch nicht verfügbar oder nicht bezahlbar ist.

Nach dem Krankenhaus darf niemand allein dastehen

Eine weitere Versorgungslücke entsteht häufig nach einem Krankenhausaufenthalt.

Menschen werden aus dem Krankenhaus entlassen, brauchen zu Hause aber weiterhin Unterstützung. Reha, Nachsorge oder ambulante Versorgung stehen jedoch nicht immer unmittelbar zur Verfügung.

Dann stehen Angehörige plötzlich vor der Frage:

Wie versorgen wir einen Menschen zu Hause, wenn die notwendige Anschlussversorgung noch nicht organisiert ist?

Eine gute Gesundheits- und Pflegeversorgung muss deshalb Krankenhaus, Rehabilitation, ambulante Versorgung und Pflege besser miteinander verbinden.

Niemand sollte nach einer Krankenhausentlassung in eine Versorgungslücke fallen.

Manchmal braucht es keine große Pflegeleistung – sondern die richtige Hilfe

Besonders eindrücklich fand ich ein Beispiel aus unserem Gespräch:

Manchmal braucht ein Mensch gar keine umfangreiche Pflegeleistung. Vielleicht fehlt einfach jemand, der dabei hilft, eine Treppe herunterzukommen, einen Termin wahrzunehmen oder wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Eine kleine Unterstützung kann einen großen Unterschied machen.

Genau deshalb brauchen wir in Tempelhof auch mehr passgenaue und niedrigschwellige Hilfen im Alltag.

Was sich bei der Pflege in Tempelhof konkret ändern muss

Aus meinem Gespräch mit dem Pflegestützpunkt nehme ich sieben konkrete Punkte mit:

❤️ Pflege bezahlbar halten
Eigenanteile und zusätzliche Kosten dürfen notwendige Unterstützung nicht verhindern.

❤️ Mehr Kurzzeitpflegeplätze schaffen
Insbesondere für Menschen mit Demenz und komplexem Pflegebedarf brauchen wir passende und tatsächlich verfügbare Angebote.

❤️ Versorgung nach Krankenhausaufenthalten absichern
Nachsorge, ambulante Versorgung und Rehabilitation müssen frühzeitig und verbindlich mitgedacht werden.

❤️ Pflegestützpunkte wohnortnah sichern und ausbauen
Pflegeberatung muss für Menschen gut erreichbar sein. Deshalb möchte ich auch eine gut erreichbare Außensprechstunde im Süden unseres Bezirks stärken.

❤️ Digitalisierung ergänzend statt ausschließend gestalten
Digitale Angebote können vieles erleichtern. Sie dürfen persönliche Beratung und analoge Zugänge aber nicht ersetzen.

❤️ Passende Mobilitätshilfen im Alltag ausbauen
Manchmal entscheidet eine kleine Unterstützung darüber, ob ein Mensch weiterhin selbstständig leben und am Alltag teilnehmen kann.

❤️ Ein Pflegenotfalltelefon muss echte Hilfe vermitteln können
Ein zusätzlicher Kontaktpunkt hat nur dann einen Mehrwert, wenn dahinter auch tatsächlich verfügbare Unterstützungsangebote stehen.

Pflege betrifft Familien direkt hier in Tempelhof

Pflegepolitik klingt häufig abstrakt. Für Familien ist sie das Gegenteil.

Sie entscheidet darüber, ob ein älterer Mensch weiter zu Hause leben kann. Ob Angehörige Beruf, Familie und Pflege miteinander vereinbaren können. Ob nach einem Krankenhausaufenthalt Unterstützung vorhanden ist. Und ob notwendige Hilfe überhaupt bezahlbar bleibt.

Auch hier in Tempelhof stehen Menschen jeden Tag vor diesen Fragen.

Ich arbeite an der Charité in der Versorgungsforschung und beschäftige mich seit vielen Jahren politisch mit Gesundheit und Pflege.

Für mich bedeutet gute Pflegepolitik deshalb nicht nur, über Strukturen und Finanzierung zu sprechen.

Sie muss im Alltag der Menschen funktionieren.

Pflege muss verlässlich sein.
Pflege muss bezahlbar sein.
Und Hilfe muss dort ankommen, wo sie gebraucht wird.

Vielen Dank an das Team des Pflegestützpunkts für den offenen Austausch und für die wichtige Arbeit für Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen.

Das Video zu meinem Besuch habe ich erstmals am 29. Mai 2026 auf Instagram veröffentlicht.

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Häufige Fragen zu Pflege und Pflegeberatung in Tempelhof

Was macht ein Pflegestützpunkt?

Ein Pflegestützpunkt berät Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu Fragen rund um Pflege, Pflegeleistungen und Unterstützung im Alltag. Er kann dabei helfen, passende Angebote zu finden und sich im oft komplizierten Pflege- und Versorgungssystem zurechtzufinden.

Warum ist Kurzzeitpflege wichtig?

Kurzzeitpflege kann eine vorübergehende stationäre Versorgung ermöglichen. Sie kann zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt notwendig sein oder dann, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht sichergestellt werden kann.

Für pflegende Angehörige kann Kurzzeitpflege außerdem eine wichtige Entlastung sein.

Warum ist Kurzzeitpflege für Menschen mit Demenz besonders wichtig?

Menschen mit Demenz oder komplexen Erkrankungen benötigen häufig besondere Betreuung und geeignete Versorgungsangebote. Gerade für diese Menschen kann es jedoch schwieriger sein, einen passenden Kurzzeitpflegeplatz zu finden.

Deshalb brauchen wir mehr Angebote, die auch auf komplexe Pflegebedarfe eingestellt sind.

Was passiert nach einer Krankenhausentlassung, wenn zu Hause weiter Pflege benötigt wird?

Nach einem Krankenhausaufenthalt können zum Beispiel ambulante Pflege, Rehabilitation, Hilfsmittel oder andere Unterstützungsangebote notwendig sein.

Problematisch wird es, wenn diese Anschlussversorgung bei der Entlassung noch nicht ausreichend organisiert ist. Dann müssen Angehörige kurzfristig Lösungen finden.

Deshalb muss die Versorgung nach einem Krankenhausaufenthalt besser zwischen Krankenhaus, Rehabilitation, ambulanter Versorgung und Pflege abgestimmt werden.

Was fordert Aferdita Suka für die Pflege in Tempelhof?

Ich setze mich dafür ein, dass Pflege bezahlbar, wohnortnah und verlässlich ist.

Dazu gehören für mich insbesondere:

mehr geeignete Kurzzeitpflegeplätze,
bessere Unterstützung für pflegende Angehörige,
eine verlässliche Versorgung nach Krankenhausaufenthalten,
wohnortnahe Pflegeberatung,
passende Alltagshilfen und Mobilitätsangebote
sowie digitale Angebote, die niemanden ausschließen.

Warum sind Pflegestützpunkte für Angehörige wichtig?

Pflegebedürftigkeit tritt oft plötzlich ein. Angehörige müssen dann in kurzer Zeit viele Entscheidungen treffen und herausfinden, welche Leistungen und Hilfen verfügbar sind.

Pflegestützpunkte können Orientierung geben und dabei unterstützen, passende Angebote zu finden.

Aber Beratung kann nur dann wirklich helfen, wenn es anschließend auch bezahlbare und verfügbare Unterstützungsangebote gibt.

Was bedeutet gute Pflegepolitik für Aferdita Suka?

Gute Pflegepolitik muss für mich eine ganz praktische Frage beantworten:

Bekommen Menschen die Unterstützung, die sie brauchen – dann, wenn sie sie brauchen?

Pflege darf Menschen nicht arm machen. Angehörige dürfen mit der Organisation von Pflege nicht allein gelassen werden. Und notwendige Hilfe darf weder an fehlenden Angeboten noch an zu hohen Kosten scheitern.

Genau dafür will ich mich politisch einsetzen – für eine Pflege, die im Alltag der Menschen funktioniert.